Diplomatie soll helfen

Das bedeuten Trumps Zölle für die Digitalbranche

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von René Jaun und ml

US-Präsident Donald Trump hat ein umfassendes Paket an Zollerhöhungen angekündigt. Mit den neuen Tarifen dürften vielerorts die Preise steigen, was auch die Schweizer IT-Branche zu spüren bekommt. Interessenvertreter sehen die Diplomatie in der Pflicht.

(Source: zVg)
(Source: zVg)

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hat am 2. April 2025 eine Vielzahl an Zollerhöhungen angekündigt. Das entsprechende Rahmenabkommen enthält sowohl individuelle wechselseitige Zölle als auch pauschale Strafabgaben, wie "Cash" zusammenfasst. Trump erklärt, man reagiere mit den Erhöhungen auf Zölle und Strafabgaben anderer Länder, handle also nur gerecht.

Konkret wollen die USA ab dem 5. April 2025 zehn Prozent Zoll auf alle Importe in das Land. Ab dem 9. April kommen individuelle Strafabgaben hinzu. Für aus der Schweiz exportierte Produkte fallen demnach Zollgebühren von 31 Prozent an, wie "cash" auflistet.

Trump erklärte den Tag seiner Ankündigung zum "Liberation Day" – bereits zum 3. Mal seit seiner Wahl. Mit dem Zollpaket will er Handelsungleichheiten korrigieren, aber US-Unternehmen auch dazu bringen, weniger Produkte aus dem Ausland einzuführen und stattdessen die inländische Produktion anzukurbeln, wie "Cash" analysiert. Konkret werden für Konsumentinnen und Konsumenten in den USA ausländische Produkte teurer, da die importierenden Unternehmen die Zölle kaum selbst tragen dürften. Das wiederum heizt auch die Inflation an.

Sollten andere Länder mit Gegenzöllen reagieren – einige kündigten dies bereits an – dürfte dies aus den USA exportierende Unternehmen zu spüren bekommen. Sie würden laut der Analyse wohl an Umsatz einbüssen und müssten in der Produktion abbauen. Längerfristig wären entsprechende Folgen um den ganzen Globus spürbar.

Schweiz soll verhandeln

Der Schweizer Wirtschaftsverband Economiesuisse bezeichnete Trumps neue Zoll-Offensive als "ernsthafte Belastung" für Schweizer Unternehmen – vor allem für jene, die Güter in die USA exportierten. Die Zölle schwächten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und belasteten das Investitionsklima. Der Verband fordert den Bundesrat und die Wirtschaftsdiplomatie auf, mit den USA Lösungen zu verhandeln. "Die Importzölle der Schweiz liegen insgesamt schon heute deutlich unter jenen der USA", merkt der Verband an.

Die Auswirkungen auf das Investitionsklima dürften auch in der Schweizer Digitalbranche zu spüren sein. Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen und Mitglied der Geschäftsleitung des Branchenverbandes Swico, erwähnt auf Anfrage insbesondere die Softwareindustrie und dort wiederum die Hersteller von Individualsoftware. Werde die Wirtschaft durch hohe Zölle gehemmt, werde weniger investiert. Die Folge: Viele Digitalisierungsprojekte würden gestoppt. Palmisani teilt die Forderung von Economiesuisse und sieht die Diplomatie in der Pflicht: "Sie muss in die Hosen und das ausdiskutieren", sagt er. Es gelte, den Digital- und Wirtschaftsstandort zu stärken, nicht zu schwächen.

Dass hiesige IT-Unternehmen indirekt von der US-Zollpolitik betroffen sind, glaubt auch Franziska Barmettler, CEO von Digitalswitzerland. Es sei schwer abzuschätzen, wie sich die Situation weiter entwickle, schreibt sie auf Anfrage. "Der Wohlstand der Schweiz basiert auf der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und Forschungsinstitutionen. Handelshemmnisse wie eine Erhöhung der Zölle wirken sich negativ auf Volkswirtschaften aus, das gilt insbesondere für wirtschaftlich offene, kleine Länder wie die Schweiz." Der Bundesrat stehe in Kontakt mit den US-Behörden und werde die Folgen genauer abklären müssen.

Grund zum Optimismus

Franz Grüter, SVP-Nationalrat und IT-Unternehmer, zeigt sich ebenfalls beunruhigt, was die Folgen der US-Zollpolitik für die Schweizer Wirtschaft generell angeht. "Für die Schweiz ist die Stunde des Freihandels gekommen", erklärt er auf Anfrage. Für das Land sei es wichtig, mit möglichst vielen Ländern gute Handelsbeziehungen zu pflegen. "Zölle haben die Wirtschaft noch nie gestärkt", so Grüter.

Die IT-Industrie sei aktuell jedoch "in gewisser Hinsicht der Lichtblick des Tages", merkt der Politiker an. Denn hiesige Unternehmen seien in erster Linie als Importeure von Services aus den USA – namentlich von Diensten der Tech-Konzerne – tätig. Darauf wiederum erheben die USA keine Zölle. Entsprechend sei die IT-Industrie von Trumps Massnahme kaum betroffen. Es sei wichtig, die Entwicklungen weiter zu beobachten, erklärt Grüter. Doch aktuell plädiert der Politiker für "Ruhe und Gelassenheit für die IT-Industrie".

Eine Chance in der Krise sieht Grünen-Nationalrat und IT-Unternehmer Gerhard Andrey die Situation: Zwar seien Schweizer IT-Firmen keine Global Players. Aber: "Grosse Schweizer Firmen mit engen USA-Beziehungen stehen unter massivem Druck – und sie gehören zu den wichtigsten Kunden der hiesigen IT-Branche. Die Auswirkungen treffen also auch diese direkt", erklärt der Politiker auf Anfrage.

Grosse Unternehmen würden sich im Zuge der Entwicklungen Gedanken über ihre Abhängigkeiten in der IT machen und dies könnte der hiesigen Digitalbranche durchaus zu einem Aufschwung verhelfen. "Aus dieser Not sollten wir also eine Tugend machen und endlich digital eigenständiger und unabhängiger von den erdrückend grossen US-Big-Tech-Konzernen werden. Das hätten wir auch ohne Trump tun müssen, jetzt ist die Dringlichkeit einfach höher", so Andrey. Für die hiesige Wirtschaft werde der Zugang zum EU-Binnenmarkt wichtiger und es sei Sache des Bundesrates, die entsprechenden Verhandlungen rasch abzuschliessen.

 

Die Schweizer IT- und CE-Branche gewinnt an Optimismus. Swico errechnet für das 2. Quartal 2025 ein Plus von 1,4 Punkten. Damit trotzt die Digitalbranche der international angespannten Lage. Gefördert wird die gute Stimmung durch Absatztreiber wie KI, Windows 11 und Cybersecurity, wie Sie hier lesen können.

 

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